05.März.2021

Spotlight on "The Secret Lives"

Spotlight on "The Secret Lives"

Interview mit Zeus B. Held (70), Musikproduzent und Musiker, zu seiner LP "The Secret Lives"

Was war deine Idee, Motivation oder Inspiration zu “ The Secret Lives”?

Zeus B. Held: Mani und ich kennen uns schon seit den 70s, als Guru² und Birth Control auf zahlreichen Festivals gemeinsam aufgetreten sind. Wir haben damals auch ein paarmal miteinander gejammt - Nachdem ich 1981 nach London umgesiedelt bin, hatten wir Funkstille bis 2006 – dann hab ich mich in Freiburg nieder gelassen und wir haben uns ab und zu wieder gesehen. Die Idee eine Musikproduktion zusammen zu machen entstand dann vollkommen entspannt – und ohne Zeitdruck.


Welche Bedeutung hat der Titel “ The Secret Lives” für dich?

Zeus B. Held: Der Titel kam von „The Secret Lives of der Lurch“, so nennen wir das wohl dadaistischste Werk auf dem Album. Auch eine kleine Anspielung auf Mani’s Elektrolurch. Der begleitet ihn ja schon einige Jahrzehnte und ist inzwischen zu einer Deutschrock-Legende geworden. Irgendwie haben wir dann festgestellt, dass wir dieses Album vollkommen spontan und „undercover“ zusammen kreiert haben, ein wenig wie ein geheimes Musik-Doppelleben.


Wann ist das Album entstanden und wie lange hat es gedauert?

Zeus B. Held: Wir haben im Sommer 2019 mit einem 2 Tage Zeitfenster im SYNXXS Studio von Bernd-Michael Land gestartet. Das ist ein wahres Eldorado von analogen Synthesizern sowie einer großartigen Sammlung von Gongs und Percussions Instrumenten. Alle Grundlagen der Stücke wurden aus spontanen Performances entwickelt. Ganz besonders inspirierend war die Begegnung mit dem „Haken Con­ti­nuum s70L6x“. Da hat Mani bei einigen Stücken mit einer wahren Entdecker-Freude Grooves und Sequenzen mit den Drumsticks aus dem Hartgummi Keyboard rausgetrommelt. Manche Tracks haben wir mit dem Roland Hand­sonic Pad und rhythmischen Akkord-Strukturen gestartet. Und dann gab es noch das analoge Modularsystem, auf dem Bernie einige Sequenzer-Parts „on the fly“ programmierte und wir dazu improvisierten. All diese Elemente hab ich über mein MOTU Audio Interface mit Logic X aufgenommen, ohne Klick und großartige Spurentrennung. Es ging uns erstmal nur um den Vibe und das Sammeln von Sounds, Grooves und Skizzen. Einige Wochen später, nachdem Mani sein Finkenbach Festival durchgeführt und ich Gigs in London und Birmingham gespielt hatte, haben wir uns für ein Wochenende in meinem Studio in Freiburg getroffen und Mani hat Drums auf die Skizzen und Fragmente gespielt. Wir haben die Musik und Atmosphären poetisch betitelt, hier und da auch kleine Texte zusammen verfasst. Einige Wochen später habe ich mein Recording Equipment in Mani’s Retreat im Odenwald aufgebaut und wir ließen Perkussion, Stimme und Basslines in die Stücke einfließen. Danach habe ich dann immer wieder an den Arrangement und Sound der einzelnen Stücke gefeilt. Dabei hat Mani auch oft via FaceTime mitgeschraubt.

Wer hat sonst noch mitgewirkt?

Zeus B. Held: Nachdem die Stücke langsam Form annahmen, haben wir fünf der Tracks an Luigi Archetti geschickt und ihn gefragt ob er Lust und Inspiration hat, darauf seine Gitarre einzuspielen. Mani und Luigi kennen sich schon seit Jahrzehnten und Mani wusste: wenn Luigi was beisteuert, dann wird’s passen. Und genau so war es. Als ich die Overdubs von Luigi in die Tracks eingefügt habe, kam richtig Freude auf: sein Gitarrenstil brachte rhythmische und musikalische Ergänzungen zu unserem Klangabenteuer. Ein Volltreffer! Bei „Ghost Ritual“ steuert Mani’s Lebensgefährtin Etsuko Watanabe mit ihrer Stimme eine geheimnisvolle Atmosphäre bei. Last not least habe ich dann die Stücke mit Lars Fasbender, einem erfahrenen Tonmeister, abgemischt und speziell für Vinyl gemastert. Der Sound dieses Albums begeistert viele audiophile Vinyl Junkies. Wir hatten auch diesbezüglich richtig gute Reaktionen und Rezessionen. (z. B. „Mint“ 01/21, S. 124).


Welche musikalischen Einflüsse gab es?

Zeus B. Held: Wir waren frei und leicht, spielerisch nach vorne schauend, klischeefrei und das einzige Element aus früheren Zeiten war diese freche unkonventionelle Experimentierfreude. Unsere einzige Vorgabe: es muss grooven und spannend bleiben. Wir haben auch ein paar schräge Sachen gewagt, stets mit einer Prise Humor, es ging uns um eine kleine Expedition in die unfassbare Welt von Song, Sound und Groove, auf die wir unsere Hörer mitnehmen wollten. Der Weg ist das Ziel: spielerisch unsere gemeinsame musikalische Fantasie loszulassen.


Hast Du ein Lieblingsstück?

Zeus B. Held: Das ändert sich dauernd und hängt von der Situation ab. Ich bin nun nicht der Typ, der oft seine eigene Musik anhört. Aber ich kann kurz und ergreifend feststellen: ich liebe alle Tracks auf dem Album! Sicher auch weil diese Scheibe etwas zwischenmenschlich Erlebtes festgehalten hat. Daher höre ich mir auch jetzt noch gerne das ein oder andere Stück davon an und freu mich dann immer wieder neue filigrane Feinheiten und Frequenzen zu entdecken.


Gab es Magic Moments bei der Entstehung?

Zeus B. Held: Als wir an einem herbstlichen Wochenende im tiefsten Odenwald bei Mani aufgenommen haben, waren wir an dem Stück „Threesome Railway“ und sind irgendwie stecken geblieben, nicht so richtig vorangekommen. Da haben wir einen Break gemacht und ich bin im Dämmerlicht durch den Wald spaziert. Da kam mir die Idee zu dem variierenden Bass-Ostinato und ich bin zurück gerannt und habe den Overdub in einem Take aufgenommen.


Spielst Du Stücke des Albums auch live?

Zeus B. Held: Gerade als wir anfangen wollten uns für den ein oder anderen Platten-Release Showcase bzw. Club Gig vorzubereiten kam der große zweite Lockdown, die angedachten Events wurden dadurch bis auf weiteres verschoben. Kurzum: Mani und ich würden gerne als Duo zusammen live spielen und dabei ganz bestimmt mehrere Tracks von diesem Album interpretieren.


Was ist der Hintergrund zum Artwork?

Zeus B. Held: Das hat eine ganz eigene Geschichte. Grundlage ist ein Bild das Mani in Australien auf ein Garagentor gemalt hat. Mit Farben, Freude, Fantasie – fast ein wenig tribal-art. Das Foto haben wir dann farblich etwas überarbeitet – und so hatte Mani gleich noch ein individuelles Kunstwerk unter die Menschheit gebracht.


Was erwartet den Hörer?

Zeus B. Held: Ich empfehle dieses Album in zwei Schritten durchzuhören: jede Seite der LP ohne Stopp – beim Seitenwechsel eine kurze Erfrischung für Körper und Seele – und ab zur nächsten Seite. Am besten das Abhörlevel etwas über der moderaten „Zimmerlautstärke“. Ich garantiere jedem Hörer eine spannende Reise mit vielen neuen musikalischen Klangpralinen. Wir sind bestimmt nicht die einzigen, die sagen: “ The Secret Lives” darf in keiner Musiksammlung fehlen!

 

Zum LP-Album "The Secret Lives"


Besucht auch die Website von Zeus B. Held: www.zeusbheld.com