04.Mai.2021

Spotlight on "The Hidden Tracks"

Spotlight on "The Hidden Tracks"

 Interview mit Roland Schaeffer zu seinem Album "The Hidden Tracks"

Was war deine Idee, Motivation oder Inspiration zu “The Hidden Tracks”?

Roland Schaeffer: Meine Motivation war eine Art Wehmut darüber, dass diese Produktion bisher noch nicht veröffentlicht wurde. Beim Aufräumen meiner CDs bin ich auf das Master gestoßen. Anfangs hatte ich diese Produktion nur auf Tonband. Vor ca. 25 Jahren habe ich mir diese auf eine CD digitalisieren lassen. Das hat ein guter Freund von mir, der beim SWR arbeitet, für mich gemacht. Die Aufnahme selbst, ist die Vorproduktion einer Auftragsproduktion von Exil Musik. Das ist der Verlag der “Dissidenten”, die damals mit “Sahara Electric” einen großen Erfolg hatten. Bandintern gab es dann wohl Stress und sie haben sich von den beiden Sänger getrennt.

Zu dieser Zeit spielte ich mit Marque Löwenthal und Paramashivam. Darauf wurden auch die Dissidenten aufmerksam. Sie waren sogar zuvor der Auslöser für meine erste Indienreise. Denn als die Dissidenten sich trennten, haben sie mich und einen weiteren Freund, Butze Fischer, gefragt ob wir mit nach Indien reisen wollen, um dort musikalisch mitzuwirken. Ich habe mich spontan dazu entschloßen, zum ersten Mal nach Indien zu reisen. Wir gaben dort ein paar Konzerte, u.a. für das Goethe-Institut. Nach den ersten zwei Konzerten, die wir dort spielten, habe ich mich von der Gruppe abgeseilt, um mich für sechs Wochen einer Art “Grundstudium” in südindischer Musik zu widmen. Dazu besuchte ich das Karnataka College of Percussion in Bangalore.

So kam es, dass ich tiefer in diese Musik eingestiegen bin. Genau so erging es meinem Freund Butze Fischer damals auch. Er war es auch, der Paramashivam in Madurai kennengelernt hatte. Ich kam eine Woche später hinzu und wir haben erstmal nur getrommelt, Tag und Nacht. Paramashivam stand schon früh morgens vor der Tür unseres Hotels. Gemeinsam sind wir nach oben auf's Dach des Hotels, um dort zu trommeln. Jeden Tag - wochenlang. Paramashivam war für uns eine absolut faszinierende Person, ein sehr lieber Mensch. Er sprach kaum Englisch, das machte unsere Kommunikation etwas schwierig. Nach dem er uns seine Heimat näher gebracht hatte, wollte Parmashivam sehr gerne nach Deutschland kommen. Nach unserer zweiten Indienreise, hatte ich die Idee zusammen ein Projekt hier bei uns zu machen. Dazu haben wir Paramashivam nach Deutschland eingeladen. Wir probierten verschiedene Besetzungen aus. Die passendste war für mich mit dem Jazz-Pianisten Marque Löwenthal. Wir starteten eine Vorproduktion, die wir in einem Berliner Studio final aufnehmen wollten. Leider ist die Produktion, nach einigen Aufnahmen, wegen musikalischen Meinungsverschiedenheiten geplatzt.

Nach langer Zeit habe ich mir unsere Vorproduktion wieder angehört und dachet mir, dass diese Aufnahmen von damals sehr authentisch und prima eingespielt sind.

Wir sind damals in den 80er Jahren oft live aufgetreten und waren ständig voll gebucht, vor allem wegen Paramashivam, der bei den Fans sehr beliebt war. Wir hatten viele Konzerte - Land auf, Land ab. Auch in der Schweiz und in Italien. Zudem immer wieder auf größeren Tourneen der Gruppe Embryo.

Letzte Jahr dachte ich mir, es wäre einfach zu schade, diese Produktion in meiner Schublade verkommen zu lassen. “Jetzt bringe ich diese Scheibe endlich raus!”.

 

Wann ist das Album entstanden und wie lange hat es gedauert?

Roland Schaeffer: Die Aufnahmen sind hier in Deutschland entstanden, irgendwo in der Nähe von Würzburg. Es hat genau zwei Tage gedauert. Damals hat man mit großen, dicken Bändern aufgenommen, auf 24 Spuren. Daraus wurde ein RAF-Mix auf Tonband gemacht. Zum Glück ist die Qualität der Aufnahme so gut, dass wir jetzt daraus eine CD machen konnten.

 

Welche Bedeutung hat der Titel des Albums für dich?

Roland Schaeffer: Die Idee zum Titel kam ursprünglich von meiner Frau. Die Tatsache, dass das Material dazu jahrelang in meiner Schublade lag, hat mich zur Idee zu “The Lost Tracks” geführt. Elena kam dann auf die Idee “The Hidden Tracks”, weil sich die Produktion sozusagen “versteckt” hatte. Jetzt ist sie doch noch “ans Licht” gekommen.

 

Wer hat Mitgerwirkt?

Roland Schaeffer: Mitgewirkt haben Paramashivam Pilai aus Madorai, der damals schon über 60 Jahre alt war. Und Marque Löwenthal, ein sehr guter Jazz-Pianist, der damals in Freiburg lebte. Mittlerweile lebt er in Berlin. Mit ihm habe ich dann letztes Jahr wieder Kontakt aufgenommen und ihm ein paar Exemplare von “The Hidden Tracks” nach Berlin geschickt. Und natürlich meine Wenigkeit.

 

Welche musikalischen Einflüsse gab es?

Roland Schaeffer: Die Einflüsse kamen automatisch durch mein Studium der südindischen Klassik, die sich etwas von der nordindischen Klassik unterscheidet. Zu dieser gehört die bekannte Sita-Musik. Die südindische Klassik ist etwas explosiver und sehr rhythmisch. Sie hat keinen starken meditativen Einfluß, sondern eher mehr Temperament. Die Südländer haben immer mehr Temperament als ihre nordischen Mitmenschen, das ist weltweit gültig.

Ich hatte in Indien einen sehr guten Lehrer, der mir das Nadaswaram-Spielen beigebracht hat. Er war sehr geduldig mit mir und konnte mir die Musik gut vermitteln. Bei dieser Musik ist es so, dass man die Stücke singen lernt. Erst wenn man sie dann auswendig singen kann, spielt man sie auch auf dem Instrument. Wenn man sie nicht auswendig kann, kann man sie auch nicht spielen, weil sonst kein Ton stimmt. Denn das Nadaswaram hat keine festen Noten, wie z.B. ein Saxophon oder eine Blockflöte.

Das erste Mal als ich das Nadaswaram hörte, war bei Charlie Mariano. Einem amerikanischen Altsaxophonisten, der lange in Europa gelebt hat. Er war auch selbst in Südindien und hat dort ebenfalls das Nadaswaram-Spielen gelernt. Er war für mich der stärkste Einfluss, mich mit diesem Instrument auseinander zu setzen. Als ich das in Indien dann selbst hörte, war ich sofort begeistert. Für mich klang das wie die Fusion aus Saxophon und E-Gitarre. Dieser leicht verzerrte Sound, bei dem man die Töne rauf und runter ziehen kann. Seitdem bin ich sechs Jahre lang jeden Winter nach Indien gereist, um mich dort mehrere Monate damit zu beschäftigen. Das war eine tolle Zeit, man lernt dadurch viele neue Menschen kennen und gewinnt neue Freunde. Auch die Instrumentenbauer habe ich kennengelernt, denn dort gab es keine fertigen Instrumente, sondern ich musste einen Instrumentenbauer aufsuchen und ihm erklären, welches Instrument ich suchte. Das Instrument wurde dann als Auftragsarbeit für mich gefertigt. Man musste vor Ort sein und Zeit mitbringen, jedenfalls wenn man ein richtig gutes Profiinstrument wollte. Ich habe mich sehr intensiv damit beschäftigt.

 

Hast du ein Lieblingsstück?

Roland Schaeffer: Meine Platten höre ich selbst nie an. Aber ich mag die erste Nummer sehr gerne. Dieses Stück lernen die Kinder in Indien. Sozusagen das südindische “Hänschen Klein”.

Track 7 mit Saxophon gefällt mir auch. Nummer 6 mag ich auch, nicht typisch südindisch, aber die Mischung mit dem Saxophon ist klasse.

Eigentlich sind alle Stücke sehr gelungen, sonst hätte ich sie ja nicht aufgenommen.

 

Gab es Magic Moments bei der Entstehung?

Roland Schaeffer: Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Das ist einfach zu lange her.

 

Spielst du Stücke des Albums auch live?

Roland Schaeffer: Ja, wir sind damals oft gemeinsam aufgetreten. Die Stücke begleiten mich bis heute. Beim Roland Schaeffer Trio spielen wir einige Stücke in einer etwas Jazz-Rock-mäßigen Version.

 

Was ist der Hintergrund zum Artwork?

Roland Schaeffer: Von Paramashivam hatte ich ausschließlich die original Schwarz-Weiß-Fotos aus den 80er Jahren. Diese haben wir im Artwork verbaut. Das Cover sieht echt gut aus, mit den Instrumenten, die wir spielten.

 

Was erwartet den Hörer?

Roland Schaeffer: Den Hörer erwartet sehr entspannte Musik. Da geht es zwar an manchen Stellen rhythmisch ab, aber es ist ein authentischer Trio-Sound. Nichts wurde aufgemotzt, sondern man kann sich beim Hören mit geschlossenen Augen vorstellen, wie man im Club sitzt und wir drei auf der Bühne spielen. Keine Effekte oder sonstiges - einfach pure Musik. So wie sie gespielt wurde.

 

Zur CD "The Hidden Tracks"