05.Februar.2021

Spotlight on "Talking Drums"

Spotlight on "Talking Drums"

 Interview mit Mani Neumeier zu seinem Album "Talking Drums"

Mani, was war deine Idee, Inspiration oder Motivation zu Talking Drums?

Mani Neumeier: Die Idee war mal wieder eine Solo-Platte zu veröffentlichen. Ich war viel unterwegs in der Welt und wollte meine Eindrücke, die ich gesammelt habe und die neu entstandenen Aufnahmen, unbedingt zu einer Scheibe machen.  Talking Drums ist meine dritte Solo-Platte, die ich im Studio von Jan Fride, meinem guten Freund und Drummer von Kraan, aufgenommen habe.

Welche Bedeutung hat der Titel "Talking Drums" für dich?

Mani Neumeier: Wie neulich jemand über mich schrieb:„Keiner lässt die Trommeln so sprechen wie Mani.“ Ich sehe das ja nicht so, dass ich der einzige bin. Wenn man genau hinhört, ist es wie wenn einem etwas erzählt wird - eben Talking Drums. Jetzt nicht bezogen auf die afrikanische Trommel "Talking Drum", die es ja auch gibt, sondern dass man Vibrationen und Gedanken durch Rhythmen überträgt. Das ist wie eine Sprache.

Wann ist das Album entstanden und wie lange hat es gedauert?

Mani Neumeier: 2013. Ich habe vorher natürlich einiges überlegt. Was für Sounds will ich haben, welche Tempi, welche Stimmungen. Ich bin ohne irgendwas aufgeschrieben zu haben, zu Jan Fride runter an den Bodensee und wir haben in seinem Studio zwei Tage zusammen aufgenommen.  Wir haben Drums, Elektronic Drums, Hand Drums und Darbuka gespielt. Mit Jan bin ich immer sofort auf einem guten Level, weil er es einfach drauf hat.

Wer hat mitgewirkt?

Mani Neumeier: Außer Jan und mir hat meine Frau Etsuko bei einem ganz ruhigen, mehr meditativen Stück, mitgewirkt. Jan meinte bei einem Track, den wir aufgebaut hatten: „Ouh, da müßte Etsuko jetzt noch was auf japanisch drauf singen oder sprechen.“ Es war Sommer, sie lag draußen im Garten im Liegestuhl und wir sagten: „Hey, komm mal rein. Wir brauchen deine Stimme hier.“ Die wusste ja von gar nichts. Balkontüre auf. Kopfhörer drauf und es hat gleich gesessen.

Ein Stück ist in Neuseeland aufgenommen worden, als ich für ein paar Wochen dort war. Ein befreundeter Jazz-Musiker hat mich dort mit drei Māori zusammengebracht, die ihre alte Musik von den Cook-Islands weiter gepflegt haben. Das war ein besonderer Moment. Das war jetzt nicht so „Ja, Hurra, los geht’s.“ Nicht so easy und cool wie man sich das vielleicht bei Afrikanern vorstellt. Die drei Māori waren sehr für sich. Sehr strong. Sie haben mich zwar respektiert, aber sie waren auf der einen Seite und ich mit drei Meter Abstand mit den Drums auf der anderen Seite. Sie haben ihre Musik gemacht und auf meine reagiert und ich wiederum auf ihre. Auf dem Album Talking Drums sind dadurch einige sehr interessante Minuten drauf, bei denen Māori-Musik mit Free Jazz und freien Rhythmen zusammen kommt.

Wo wurde das Album aufgenommen?

Mani Neumeier: In Neuseeland, im Studio bei Jan und einige Tage bei Werner Goos im Studio für ein paar abgefahrene Playbacks.

Welche musikalischen Einflüsse gab es?

Mani Neumeier: Die Māori natürlich und viele tierische Kollegen wie Vögel und Frösche, die ganz wunderbare Sounds machen. Beeinflusst haben mich meine Reisen zwischen Japan, Hawaii und der Mongolei. Einflüsse und Eindrücke, die ich von dort im Kopf habe, sind spontan aufgetaucht. Ich habe mich einfach treiben lassen.

Hast du ein Lieblingsstück?

Mani Neumeier: "Shaman Dancer" und "Time Drops".

Gab es irgendwelche Magic Moments für dich bei der Entstehung?

Mani Neumeier: Ja, natürlich die Momente mit den Māori. Und dann auch beim Jan. Mit ihm zusammen gab es einige Magic Moments im Studio.

Was ist der Hintergrund zum Artwork der CD?

Mani Neumeier: Mein Gesicht. Die Sonne auf der Rückseite, unsere Sonne und der Gong in der Mitte. Auf der CD ist ein Zimbal zu sehen und ein Tom mit abgewetztem Fell. Sehr schön gemachtes Artwork von Tristan Pranyko.

Was erwartet den Hörer?

Mani Neumeier: Alles beginnt mit leisen Wassertropfen. Man wird mitgenommen in eine Höhle, es kommen Vögel und Frösche dazu. Dann tauchen Trommeln auf und es geht in einen Rhythmus, der sich steigert. Dem Zuhörer eröffnet sich eine Reise vieler kleiner Geschichten, die zusammen etwas Großartiges bilden. Manchmal geht es bis hin zu einem Elektrogroove und phantasievoller World Music - im besten Sinn Ambient Music.

Warum darf Talking Drums in keiner Musiksammlung fehlen?

Mani Neumeier: Weil sie dann was verpassen würden. Fehlen darf die schon. Aber wer’s verpasst  ist ein armer Tropf.

 

Interview: Nabil Zitouni

 

Hörbeispiele 

 

 

Zum Album "Talking Drums"