09.Februar.2021

Nachgefragt: Theuderich „Diddy“ Metzger in der Coronazeit

Nachgefragt: Theuderich „Diddy“ Metzger in der Coronazeit

Interview mit Theuderich „Diddy“ Metzger (53), Bandmitglied der Bands "Whiskey On Valentine's" & "Dynamite Daze"

Diddy, wo bist Du gerade?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Ich sitze daheim auf'm Sofa in einem kleinen Dorf in der Nähe von Bruchsal.

Seit Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen hat sich das Leben vieler Menschen verändert. Gerade Künstler sind sehr stark davon betroffen. Wie hat sich dein Leben als Musiker verändert?

Theuderich „Diddy“ Metzger:  Das hat sich so wie wohl bei den meisten Musikern verändert. Die Live-Auftritte fallen aus und alle Projekte verschieben sich. Die Kunst findet sozusagen nur noch am Rechner oder zuhause statt. Leider. Songs schreiben und aufnehmen geht natürlich noch. Momentan ist gemeinsames Proben auch nicht möglich, weil man sich dafür ja nicht einmal mehr treffen darf. Es ist gerade ziemlich hart. Ich hoffe, dass es vielleicht im März wieder möglich ist, sich mit der Band mal wieder zusammenzusetzen, Songs zu schreiben und gemeinsam zu arbeiten. Momentan machen wir das alles online im Homeoffice.
 

Was hältst Du von den Corona-Maßnahmen?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Tja - die Corona-Maßnahmen. Die Maßnahmen an sich, die unser Leben gerade einschränken, sind wahrscheinlich notwendig. Es muss wohl sein, damit Corona nicht komplett ausartet. Aber was mir überhaupt nicht gefällt ist, dass es hieß, es gebe nun einen Impfstoff. Ich glaube das war irgendwann kurz nach Weihnachten. Jetzt haben wir Februar und es fühlt sich an, als gäbe es keinen. Mit den Worten von Klaus Müntefering: „Wir brauchen mehr Stoff und wir müssen ihn schnell durchziehen“. Seitdem ist er irgendwie mein Favorit. Auch wenn uns die Maßnahmen nicht gefallen, man kann’s ja nicht einfach so laufen lassen. Wir müssen uns irgendwie zusammenreißen. Mir wäre es lieber, wenn man nicht so viel verbieten müsste und die Leute sich selbst vernünftig verhalten würden. Aber vielleicht geht es nicht anders. Ich weiss es nicht. Keine Ahnung.

Was fehlt dir am meisten? Was ist das Erste, das nachgeholt werden muss?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Mir fehlt am meisten, dass ich meine ganzen Freunde nicht mehr in den Arm nehmen kann. Meine Freundin, die ich seit 40 Jahren kenne und schon drei Monate nicht mehr gesehen habe. Sowas hat's noch nie gegeben. Weil ihre Mutter dement versorgt werden muss und sie hat Angst sich anzustecken. Das finde ich echt schlimm. Das Zwischenmenschliche fehlt. Die Menschen fehlen. Der körperliche Kontakt. Die Nähe zu den Menschen ist einfach unterbrochen. Das fällt mir sehr auf. Das wird wohl den meisten so gehen.
 

Womit verbringst Du derzeit deine Zeit?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Musiktechnisch verbringe ich meine Zeit jetzt damit, das nächste Dynamite Daze Album zu schreiben. Und wir machen jetzt mehr oder weniger alles online. Jeder hat daheim ein Programm und schreibt dann seine Spur. Also der Gitarrist macht seins. Schlagzeug seins. Ist eine neue Art Songs zu schreiben. Habe ich vorher garnicht so auf dem Schirm gehabt. Der eine hat eine Idee, der andere schickt seine Spur, der nächste packt was drauf. So baut man ein Lied zusammen. Das hat zwar Nachteile, aber es hat auch Vorteile. Also ich denke mal, da nehme ich was für die Zukunft mit. Das gefällt mir.
 

Gibt es Dinge, die Du jetzt machst, die Du vor der Pandemie nicht gemacht hast? Willst Du nach Corona damit weitermachen?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Online produzieren - das könnte was sein. Das hat den Vorteil, dass man Zeit hat, wenn man allein ist und von zuhause an seiner Spur arbeitet. Man hat dann mehr Zeit als sich spontan im Studio zu treffen und etwas auszuarbeiten. Wenn du das machst, dann musst du dich eigentlich mit vier Mann den ganzen Tag irgendwo einsperren und musst ausprobieren. Und das kann man jetzt in Ruhe zu Hause machen und danach gleich anhören. Und so machen wir das einfach, bis wir den Rahmen für einen Song haben. Das hat was und läuft überraschender Weise gut. Das ist sehr zeitaufwendig und dauert ewig. Aber wir haben ja gerade genug Zeit. Man kann Feinheiten natürlich nicht so optimal abstimmen.
 

Wie hat die Pandemie das zwischenmenschliche Miteinander verändert?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Am Anfang als Corona los ging, hat man das Gefühl gehabt, die Leute haben sich mehr um einander gekümmert. Also einkaufen für den Nachbarn und so weiter. Ich denke das hat bei vielen ganz gut funktioniert. Das hat sich aus meiner Sicht mittlerweile etwas abgeflacht. Leider denke ich, dass sich nach Corona nicht viel verändern wird. Das wird alles wieder genauso, wie es vorher war. Es könnte ja auch besser werden, wenn die Leute merken, was es noch alles für Probleme gibt. Es wäre ja möglich, dass sie sich mehr um ihre Mitmenschen kümmern. Das wäre schon positiv, wenn die Menschen mehr auf einander zu gehen würden.

Wie verdienst Du ohne Live-Auftritte gerade dein Geld? Hast du Tipps für andere Musiker?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Momentan verdiene ich überhaupt nichts. Ich lebe praktisch von meiner Rente. Ich habe das Glück, dass ich keine finanziellen Probleme habe. Ich habe schon seit langem vorgesorgt. Ich brauche nicht viel. Ich habe ein Haus und stehe nicht unter Druck Miete bezahlen zu müssen. Also bei mir ist es jetzt nicht so arg. Als Musiker kannst derzeit nicht viel machen. Du kannst ein paar CDs verkaufen, aber ansonsten ist nicht viel möglich. Man könnte im Frühjahr auf dem Spargelacker helfen oder so. Aber ich glaube nicht, dass es das ist was ein Musiker will. Wir sind kalt gestellt. Wie viele andere auch.
 

Was denkst Du, wann Live-Auftritte wieder möglich sind?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Wenn es wärmer wird, könnte es eingeschränkt wieder ein paar Möglichkeiten geben. Vielleicht irgendwann im Mai. Wohl eher erst im Herbst. Wenn das mit dem Impfen funktioniert und wenn der Corona-Virus nicht schneller ist und sich verändert, könnte es vielleicht Oktober, November werden und dann wieder richtig anlaufen. Ich selbst will eigentlich gar keine Konzerte mit Einschränkungen spielen. Dazu machen wir nicht die passende Musik.
 

Hast Du in der Corona-Zeit an Livestream-Konzerten teilgenommen?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Ja, wir haben einen Live-Stream mit Whiskey on Valentine's gemacht. Das war wohl hauptsächlich, weil wir ein paar Songs aus dem neuen Album "Scarecrows & Moondogs" live ausprobieren wollten. Und das haben wir dann gestreamt. Es war ganz okay, aber nochmal brauche ich das nicht. Das war ganz lustig, aber ist schon was anderes. Mein Bandkollege Peter hat das öfter gemacht. Da waren so 150, 200 Zuschauer im Live-Stream.

Wie ist der Kontakt zu deinen Musikerkollegen, Freunden und Fans?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Wir telefonieren öfter und mit den Fans haben wir hier und da Kontakt bei CD-Bestellungen und sowas. Schön zu merken, dass die Fans noch da sind.
 

Welche Rolle spielen soziale Medien für Dich?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Keine so große Rolle. Facebook machen wir, weil das für’s Geschäft sein muss. Ich mache das halt ab und zu. Ich bin jetzt kein so großer Freund davon. In meinem Alter will man die Menschen in Echt sehen und riechen. Das ist mir einfacher lieber.
 

Gibt es eine Art künstlerische Einkehr, sozusagen ein kreatives Sabbatical?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Derzeit ist es einfach anders. Man ist nur noch darauf konzentriert kreativ sein zu dürfen, Neues zu erfinden und gar nicht mehr vorzutragen. Die Hälfte vom Normalbetrieb ist weg. Das Live-Spielen fällt aus. Also wird die andere Hälfte automatisch ins Zentrum gerückt. Aber meinen Stil verändere ich wegen Corona jetzt nicht. Ich mache das, was mir im Kopf rumgeht und das ist Wahnsinn genug.
 

Welche Strukturen in der Musikbranche haben sich während Corona als funktionierend erwiesen? Was funktioniert überhaupt nicht? Hast du Ideen dazu?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Unsere Branche hat keine Gewerkschaft oder eine Organisation, die uns richtig vertritt. In der Musikbranche ist irgendwie jeder für sich. Und viele werden vom Kapitalismus zermahlt. Musiker und Kreative werden wie zwischen Mühlsteinen hin und her geschoben. Und deswegen haben wir Schwierigkeiten. Nicht nur während Corona. Die Schwierigkeiten gingen schon viel früher los. Das man finanziell immer mehr kämpfen muss. Weil wir einfach nicht so organisiert sind. Das bringt tatsächlich auch professionelle Musiker dazu, dass sie Ihren Beruf aufgeben, weil sie es sich einfach nicht mehr leisten können. Vielleicht ändert sich irgendwas. Wenn wir Musiker und Kulturschaffende das nicht irgendwann auf die Reihe bekommen und uns organisieren, dann bekommen wir amerikanische Verhältnisse. Und ich glaube, die will wirklich niemand hier.

Was wird nach Corona in der Musikbranche anders sein und welche Chancen könnten entstehen?

Theuderich „Diddy“ Metzger: Das ist die große Frage. Neulich gab es in der Nähe einen Wettbewerb mit Künstlern, die eigene Songs haben. Schön zu sehen, dass es hier auch andere Bands gibt, die eigene Sachen machen. Die sind leider nicht so oft zu sehen. Hier interessieren recht viele für "Kopiermusik". Ich dachte nur:”Oh, Hallo?! Wollt’ ihr auf einmal Kultur und Kunst?“. Vielleicht ändert sich tatsächlich was und die Leute wollen doch mehr, als das, was sie sowieso schon kennen und wiedergekäut zu sich nehmen. Das würde mich freuen. Es wäre schön, wenn die Leute sich live z.B. auf Straßenfesten für neue Musik interessieren. Bei uns in der Region gibt es einfach nicht viel Neues. Das will auch niemand. Obwohl, das stimmt nicht. Die, die es wollen, können es nur nirgends konsumieren. 70 Prozent der Leute sind leider Mainstream-geschädigt. Vielleicht ändert sich da mal was. Das hoffe ich wirklich. Das wäre super. Das wäre geil.

 

Interview: Nabil Zitouni

Website Whiskey On Valetine's: www.whiskeyonvalentines.de
Website Dynamite Daze: www.dynamitedaze.com