01.Februar.2021

Nachgefragt: Mani Neumeier in der Corona-Zeit

Nachgefragt: Mani Neumeier in der Corona-Zeit

Interview mit Mani Neumeier (80), Musikerikone, Solo-Künstler und Schlagzeuger der Band Guru Guru

Mani, wo bist Du gerade?

Mani Neumeier: Ich bin zuhause auf dem Sofa. Stay home und auf dem Sofa sitzt man ja sowieso öfter mal. Mein Zuhause ist in Hilsenhain im Odenwald zwischen Heidelberg und Weinheim oben auf’m Berg.

Seit Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen hat sich das Leben vieler Menschen geändert. Gerade Künstler sind sehr stark betroffen. Wie hat sich dein Leben als Musiker verändert?

Mani Neumeier: Ich wurde schlagartig in einen Pensionärszustand versetzt. Wir hätten eigentlich ganz viele Konzerte gehabt - 64 im letzten Jahr. Die wurden dann alle auf dieses Jahr verlegt. Eigentlich hätten wir ganz viel, aber es ist ja nichts erlaubt. Ich weiss nicht, ob die Konzerte zwischen Berlin und Nürnberg und überall in Deutschland ab April stattfinden können. Mal abgesehen von der finanziellen Lage - es kommt ja kein Geld rein - hält man das fast nicht aus, wenn man so lange nicht spielen kann. Es ist ja nicht nur eine Gewohnheit, es ist auch ein Lebensgefühl und Lebensstil, der einen gesund hält. Ich muss aufpassen, dass ich hier nicht alt werde.

Was hältst Du von den Corona-Maßnahmen?

Mani Neumeier: Ich bin keiner der sagt „it's too much“, ich sage aber auch nicht man müsse es noch härter machen. Ganz einverstanden bin ich auch nicht, aber ich weiß nicht wie ich es besser machen würde. Wenn die Leute nicht aufpassen, dann sind die Viren schneller als die Menschen und die Zahlen gehen einfach nicht runter. Maßnahmen sind nichts lustiges, aber wenn der Vulkan ausbricht kannste ja auch nicht sagen „Ich will meine Freiheit, ich will den ganzen Ruß nicht". Man muss einfach vorsichtig und vernünftig sein.

Was fehlt dir am meisten? Was ist das Erste, das nachgeholt werden muss?

Mani Neumeier: Freunde besuchen mit denen man engeren Kontakt und musikalischen Austausch hat. Aber vor allem: das nächste Live-Konzert. ZACK, auf die Bühne und einen hinlegen. Die Leute glücklich machen und dabei selbst happy werden. Das ist meine Aufgabe und da bleibt jetzt einfach viel liegen.

Womit verbringst Du derzeit deine Zeit?

Mani Neumeier: Ich meditiere, spiele Schlagzeug, beschäftige mich mit Musik, experimentiere und bereite eine CD vor, die ich in Tokio mit einer japanischen Keyboarderin, Risa Takeda, aufgenommen habe. Außerdem eine Live-CD mit dem japanischen Gitarristen Uchihashi Kazuhisa, die im Oktober auf dem Enjoy Jazz Festival in Mannheim aufgenommen wurde. Das war eines der drei Konzerte, die ich in der zweiten Jahreshälfte 2020 hatte. Zwei Guru Guru Konzerte und eins in Mannheim mit Uchihashi. Langweilig wird’s mir nicht.

Gibt es Dinge, die Du jetzt machst, die Du vor der Pandemie nicht gemacht hast? Willst Du nach Corona damit weitermachen?

Mani Neumeier: Eigentlich trifft's mich nicht so hart. Die Livekonzerte vermisse ich. Wenn ich Lust hätte zu Zeichnen würde ich das machen. Ich höre etwas mehr Musik und produziere kleine Filmchen. Die Sonne fehlt halt unheimlich. Der Winter ist seit Oktober da. Im Mai, Juni dachte ich „Is doch mir egal“ - hab mich in den Garten gelegt, hab mich gesonnt und alles war ok. Das vermisse ich jetzt natürlich schon. Aber hier ist's immer noch besser als in der Großstadt in ner kleinen Wohnung.

Wie hat die Pandemie das zwischenmenschliche Miteinander verändert?

Mani Neumeier: Manche kommen vielleicht näher zusammen, weil sie irgendwas vermissen oder es gibt ein Bewusstsein, dass alles zusammenhängt. Andere werden vielleicht etwas mürrisch oder verknöchert. Es wird sicher verschiedene Auswirkungen geben.

Wie verdienst Du ohne Live-Auftritte gerade dein Geld? Hast du Tipps für andere Musiker?

Mani Neumeier: Ich habe ab und zu über's Internet ein paar CD-Verkäufe. Ich habe auch einmal Unterstützung vom Staat bekommen. Derzeit geht halt alles sehr verzögert. Tipps für andere Musiker habe ich nicht. Ich habe nicht mal einen für mich selbst. Wenn jemand konkret sagen würde „Ich mach ein Streaming-Konzert, ihr bekommt Gage, Publikum haben wir leider keins, aber es wird gesendet, ok. Auf Spenden will ich mich nicht einlassen. Das kommt mir komisch vor.

Was denkst Du, wann Live-Auftritte wieder möglich sind?

Mani Neumeier: Ich hoffe im April. Wenn's dann mit den Inzidenzzahlen schlecht aussieht, könnte es auch September werden. Ich hoffe natürlich, dass unser Cosmic Castle Festival Mitte August, das wir mit Gong, Atomic Rooster und Marbelwood aufziehen wollen, klappt.

Hast du in der Corona-Zeit an Livestream-Konzerten teilgenommen?

Mani Neumeier: Ich habe eins im Filmstudio „Showlabor" in Edingen bei Günter Jäckle, dem Lichtdesigner von Udo Lindenberg, gemacht. Da hab ich mein Solo und zwei Stücke mit meiner Frau Etsuko gespielt. Das wurde professionell mit Kameras, Soundmann und vielen Scheinwerfern aufgenommen. Aber da spiele ich ehrlich gesagt lieber in einem halb gefüllten Club.

Wie ist der Kontakt zu deinen Musikerkollegen, Freunden und Fans?

Mani Neumeier: Wir telefonieren und skypen, haben uns 2-3 Mal seit dem letzten Konzert getroffen. Alle sind in den Startlöchern. Es sind ja viele Konzerte gebucht. Bislang ist noch keins abgesagt und wenn's dann heißt „Es geht los", dann sind wir alle voll da. Einige Fans melden sich über Facebook und per E-Mail. Bei Bestellungen sagen manche „Ich unterstütz' dich und nehme gleich 6 CDs. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder". Der eine freut sich auf Bonn, der andere kommt in München vorbei. Alle vermissen die Livemusik.

Welche Rolle spielen soziale Medien für Dich?

Mani Neumeier: Man merkt, dass die Family noch intakt ist und dass Interesse besteht. Egal ob nur ein knapper Spruch, ein Kommentar oder ein Like. Der Kontakt ist regelmäßig. Alle hoffen, dass die Corona-Geschichte bald mal rum ist oder dass es sich lockert und wenigstens „Hygiene-Konzerte" möglich werden. Mir macht das nichts aus, wenn die Leute mit Masken da sitzen oder ich Maske trage. Hauptsache man spielt, denn es geht trotzdem gut ab. Das haben wir im Oktober erlebt.

Gibt es eine Art künstlerische Einkehr, sozusagen ein kreatives Sabbatical?

Mani Neumeier: Ich habe viele Ideen. Einige taugen nichts, andere merke ich mir. Da wir aktuell einige CDs draußen haben wie „Guru Guru - Live in China“ und „Rotate!“ denke ich jetzt nicht, dass ich sofort 12 Stücke auf ne neue CD packen muss. Aber ich sammle sowieso immer Ideen. Gerade habe ich die Idee zu einer Vogel-CD, die ich machen will. Ich habe ganz viele Vögel im Odenwald aufgenommen und da will ich mal nur mit Vogelsounds etwas für die Leute in den Städten machen.

Welche Strukturen in der Musikbranche haben sich während Corona als funktionierend erwiesen? Was funktioniert überhaupt nicht? Hast du Ideen dazu?

Mani Neumeier: Weiß nicht, manche haben vielleicht viel verkauft. Die Hitvögel für die breite Masse. Aber im Allgemeinen ist doch viel stehen geblieben. Ich kann das nicht beurteilen, bin ein einfacher Mann vom Land und wohne hier am Waldrand oben auf'm Berg. Eigentlich kümmere ich mich auch nich drum, was die Musikbranche macht oder was im Radio gespielt wird - das is mir Wurscht. Immer wenn ich mal reinhöre gefällt's mir nicht.

Was wird nach Corona in der Musikbranche anders sein?

Mani Neumeier: Ich sehe mal den positiven Aspekt: Es könnte sein, dass die Leute so drauf abfahren, wenn es wieder losgeht, dass ein ganz tolles Feeling entsteht. Einigen Bands und Clubs ist sicher die Luft ausgegangen. Aber ich glaube bei den Fans könnte die Lust da sein, dass sie die handgemachte Live-Musik nach Corona noch viel mehr schätzen. Nicht nur bei den Fans der großen Acts, die die Hallen füllen, sondern auch bei vielen mittleren und kleinen Gruppen, die die Leute überall gut drauf bringen und die zum Teil interessante Musik machen. Ich freue mich drauf!

 

Interview: Nabil Zitouni